The Truth Behind Instagram – Wer bin ich wirklich?

The Truth Behind Instagram – Wer bin ich wirklich?

Ich habe lange über diesen Beitrag nachgedacht. Wie ich es formulieren soll und ob ich ihn überhaupt teilen soll. Und hier ist er nun. In den letzten Tagen habe ich etwas Abstand gewonnen. Abstand zur Heimat, zur Vergangenheit und zu mir – bzw. zu der Person, die ich glaubte, zu sein.

The Truth Behind Instagram

Denn wenn ich ehrlich bin, weiß ich nicht, ob ich mich wiedererkenne. Ich mache Instagram auf und poste meine Bilder. Ich überlege mir vorher, welches Bild wann passt und Sinn ergibt und was ich dazu schreibe. Viele Bilder sind geplant, nur manche spontan. Denn die Qualität muss stimmen – genauso wie das Outfit, der Hintergrund und was ich darstelle. Nein nein, um eure Bedenken gleich mal vorweg zu nehmen, ich trage keine Maske auf Instagram oder schauspielere nur. Ihr seht da schon mich. Aber ein gefiltertes, angepasstes Ich. Denn es wäre gelogen, wenn ich sage, mich interessieren die Zahlen nicht. Na klar checke ich die Likes und Followerzahlen – und wie sie sich verändern je nach Tages- und Beitragszeit. Aber in den letzten Tagen habe ich mich gefragt, ob es das wirklich wert ist und was ich eigentlich bezwecken will. Und das sollten wir alle immer wieder mal tun. Um zu uns selbst zu finden.

Ich sage euch ein kleines – nun nicht mehr geheimes – Geheimnis: ich weiß auch oft genug nicht, was ich will und frage mich, ob die anderen denn das überhaupt immer wissen. Bekannte Blogger und Instagram-Influencer posten Bilder, die alle perfekt in’s Bild passen – und gleichzeitig so spontan und authentisch wirken. Es wird uns immer vor die Nase gehalten, wie schön das Leben sein kann – wenn wir nur zu uns selbst stehen. Und dabei sollten wir nicht auf Individualismus vergessen, aber gleichzeitig dazu passen. Denn das neue Mainstream ist der individuelle Mensch. Nie war es wichtiger und gleichzeitig erdrückender, man selbst sein zu müssen. Wir sollen uns darstellen, wie wir sind, für etwas stehen und ein Markenkennzeichen haben, um erfolgreich zu sein. Was aber wenn unser Merkmal ist, normal zu sein?

Mut zur Normalität

Viele unserer Generation wurden groß gezogen mit dem Gedanken, alles schaffen zu können – wenn man bloß will. Wir wurden zu einem Individuum erzogen, das stark und mächtig, gleichzeitig einfühlsam und empathisch sein soll. Wir sollen intellektuell und extravagant, manchmal introvertiert, aber viel öfter extravertiert und anpassungsfähig und ehrgeizig sein. Aber von allem bloß nicht zu viel. Selbst im Kindesalter wird den Heranwachsanden vorgezeigt, dass es heutzutage ein Muss ist, anders als alle anderen zu sein. Die Möglichkeiten sind ja gegeben. Denn nie hatte ein Mensch so viele Optionen und freie Wahl wie in diesen Tagen. Und nie war das Entscheiden schwieriger. Weil wir ja alles sein können und irgendwas auch müssen, aber bloß nichts tun und sein dürfen, was es schon gibt. Es wird uns gepredigt, unsere eigene Marke zu sein – und zeitgleich werden Outfits von Stars innerhalb von Sekunden ausverkauft. Eine paradoxe Parallele zu unserer Erziehung? Wir sollen unseren eigenen Weg gehen, aber bloß nicht zu weit abweichen. Ja, wir sollen eben alles sein, aber bloß nicht zu speziell.  Und ja nicht zu normal.

Natürlich würde ich nicht über mich selbst sagen, ich sei „normal“, denn dazu bin ich eben zu sozialkritisch und passe nicht in das herkömmliche Gesellschaftsbild. Aber ich habe keine besondere Passion, sondern viele verschiedene. Ich konzentriere mich nicht auf eine Sache, sondern mache lieber vieles auf einmal. Bedeutet das nun, mein Instagram-Account und mein Blog wären weniger wert? Und sinkt dadurch auch gleichzeitig mein Selbstwert, da ich weniger Erfolg als manch anderer habe? Nein. Denn vielleicht bricht nun die neue Revolution unseres Zeitalters an: Sich nicht vorschreiben zu lassen, wie man denn nun sein und leben sollte. Denn Normalität ist heutzutage doch die größte Rebellion gegen unsere Gesellschaft.

Es reicht ja schon der Gedanke, alles sein zu können, aber nichts zu müssen.



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