72 hours of Digital Detox – Handy aus und Leben an

72 hours of Digital Detox – Handy aus und Leben an

Wie fühlt sich ein “Digital Detox” eigentlich an? Und was bringt es mir, mich aus sämtlichen sozialen Netzwerken für ein paar Tage zurückzuziehen? Ich hab mich diesen Fragen gestellt und für 72 Stunden komplett auf alle Social-Media-Kanäle verzichtet. 


Was ist ein “Digital Detox”?

Digital Detox, die sogenannte “digitale Entgiftung“, hat den Sinn, uns für eine kurze (oder auch längere) Dauer von Smartphones und Tablets wegzuholen. Immerhin ist das Smartphone ständig mit uns dabei und ist nicht selten stiller Teilhaber während des Essens, der Zugfahrt oder auch während eines persönlichen Gespräches mit Kollegen und Freunde.

Ein gemütlicher Abend zu Hause ist kaum mehr vorstellbar ohne Instagram, Facebook und Snapchat. Aber diese ständige virtuelle Darstellung von Inhalten kann schnell mal zur Belastung werden. Unserer Gehirn ist der ständigen Bombardierung von Infos, Fotos und Videos einfach nicht gestanden – und hat sich der schnellen Entwicklung des Internets nicht angepasst.

Social Media kann also nachhaltig unser Gehirn verändern und birgt ein genauso großes Suchtpotential wie Alkohol und Nikotin. Warum gehen wir also so nachlässig damit um und führen sogar schon Kinder in jungen Jahren an das Internet heran? Wer ständig das Gefühl hat, etwas teilen zu müssen, oder auch nur alle paar Minuten zum Handy greift, um die Netzwerke zu checken, ist stark gefährdet, süchtig zu werden. Aber um herauszufinden, wie dringend der Social-Media-Drang ist und ob man heutzutage überhaupt noch auf das mobile Internet verzichten zu kann, habe ich mich entschlossen, für ganze 72 Stunden auf Internet am Smartphone und soziale Medien zu verzichten.

 


 

Meine 72-Stunden-Regeln

Der 72-stündige Verzicht auf Internet am Handy und auch das Verbot von Social-Media am Laptop hieß für mich:

  • kein Instagram
  • keine lustigen Videos auf Facebook
  • keine Tumblr-Beiträge lesen
  • kein sinnloses Foto-Teilen auf Snapchat
  • keine Online-Nachrichten am Smartphone checken
  • keine Whatsapp-Gespräche
  • und was ich erst im Laufe des Experimentes bemerken würde: kein Navi am Handy
  • kein Siri, das schnell mal während dem Autofahren für mich jemanden anruft
  • keine YouTube-Videos zum Zeitvertreib
  • und keine Spotify-Playlisten (ja ich hab nur die Free-Version)

Die einzige digitale Kommunikation, die ich mir erlaubte waren SMS, Anrufe (falls man dies als digital zählen lässt) und E-Mails.

 


 

Der Ablauf der 72 Stunden

Die ersten 24 Stunden des Detoxs

Nachdem ich den Entschluss gefasst hatte, den Digital Detox wirklich durchzuziehen, ging es ganz schnell. Mit nur wenigen Nachrichten sagte ich wichtigen Menschen meines Umfeldes bescheid, dass sie mich nur noch via SMS und Anrufe erreichen können. Ein Fingerwisch und -tipp später war auch schon das mobile Netz am iPhone ausgeschaltet und meine Entgiftung konnte beginnen.

Der erste Tag meines Experimentes war richtig entspannt. Ich fand Zeit, zu lesen – und das trotz Prüfungsstress! Drei oder vier Mal schoss es mir durch den Kopf, dass ich diesen Moment gerne online teilen würde. Oder oberflächliche Gespräche online zu haben, um mir die Zeit zu vertreiben. Aber in der Nacht des ersten Tages schlief ich so gut, wie schon lange nicht mehr. Zufall?

Stunde 25-48 des Experiments

Am zweiten Tag war anfangs alles cool. Ich ging Laufen, Schwimmen, holte mir Mittags etwas zu essen und ging mit meiner Hündin spazieren. Ein ganz normaler Mittwoch. Nur, dass ich diesmal – anders als die letzten Wochen – nichts davon auf Snapchat und Co. teilte.

Es war auch der erste Tag seit langem, an dem ich ungeschminkt außer Haus und sogar an die Uni ging. Wer mich kennt weiß zwar, dass ich keine Schmink-Tussi bin, aber mich ohne Wimperntusche raus “zu trauen” ist dann doch etwas seltenes. Ich habe zwar keinen richtigen Beweis, aber ich glaube durchaus, dass der Verzicht von Instagram hier seine Finger im Spiel hatte.
Nach knapp 40 Stunden ohne den Fotos des perfekten Aussehens, des perfekten Lebens, der perfekten Schminke war ich schon zufriedener mit mir selbst. Ich habe eben keine dunkelschwarzen, geschwungenen Wimpern, wie sie als schön bezeichnet werden. Macht mich das hässlich? Nein. Also wozu nach dem Schwimmen extra für eine einstündige Klausur die Wimpern tuschen?

Abends jedoch überkam mich der Drang, endlich online zu gehen und Facebook-Benachrichtigungen und eben besagte Instagram-Posts zu checken. Die letzte Klausur dieses Semesters war vorbei, ich hatte nichts mehr zu lernen und der Sport für diesen Tag war vormittags schon erledigt. Mir war schlichtweg unheimlich langweilig. Trotzdem widerstand ich dem Social-Media-Zwang und griff zu Aquarellfarben und begann nach gut 2-jähriger Pause mit einem neuen Bild.

Die letzten Stunden der Digitalen Entgiftung

Der dritte Tag meines Experiments verlief gut. Natürlich fielen mir immer mehr die Nachteile meines Verzichtes auf Internet am Smartphone auf, aber komischerweise hatten diese nichts mit den sozialen Medien zu tun.

Was mir an diesem Tag wirklich abging, war die Navigation am Handy. Ich sollte meinen Bruder von der Schule abholen. Soweit kein Problem, immerhin habe ich schon lange den Führerschein und weiß auch, welche Schule er besucht. Die Herausforderung jedoch war, zu ihm hinzufinden. In der Stadt seiner Schule kenne ich mich nicht wirklich aus. Genau eine Route zu seiner Ausbildungsstelle ist mir bekannt und das war’s dann auch schon. Nur war ich diesmal schon auf anderem Weg unterwegs, als mich sein Anruf erreichte. Das also hieß für mich: Ohne Navi hinfinden – und das obwohl ich am anderen Ende der Stadt war. Überraschenderweise funktionierte das auch ohne Internet, mein eigener Navigationssinn hat also (zum Glück) noch nicht unter dem Navi gelitten.

Wieder fand ich Zeit, zum Buch zu greifen und ein paar Seiten zu lesen. Zudem war ich motiviert, Wäsche zu waschen, zu falten, aufzuräumen, zu putzen, zu zeichnen und zu schreiben. Auch für diesen Beitrag fand ich Motivation und Lust und auch die richtigen Worte. Mein Tag schien plötzlich um vieles länger als früher.

 


 

Mein Fazit und mein Zukunftsausblick

Fast schon erschreckend war für mich, wie viel mehr Zeit ich plötzlich hatte. Ich hatte total unterschätzt, wie viel Zeit mir diese Soziale-Medien-Abhängigkeit in Wirklichkeit kostete. Und ich habe bisher immer gejammert, ich hätte keine Zeit für’s Lesen, Zeichnen und Malen, obwohl es mir doch eigentlich so wichtig war. Tja, nun weiß ich, wo all die Zeit sich immer versteckte.

Natürlich war es nicht immer einfach, auf das soziale Online-Leben zu verzichten. Aber ich habe tolle Vorteile aus meinem Digital Detox gezogen.

  • Zeit für mich – Zeit für Kunst und Bücher
  • Zufriedenheit – Mich nicht mehr stündlich mit Online-Profilen zu vergleichen, half mir, mit mir selbst eine Spur zufriedener zu sein.
  • Fokus – Durch den Verzicht auf die ständige Ablenkung konnte ich mich besser auf die aktuelle Tätigkeit konzentrieren.
  • interessante Gespräche – Natürlich verringerte sich die Anzahl und das Ausmaß der virtuellen Kommunikation auf ein geringes Maß. Dafür waren die Gespräche, die ich über SMS führte interessanter – und nach einer gefühlten Ewigkeit wurden Chats durch Anrufe ersetzt.
  • Motivation und Produktivität – Obwohl ich immer glaubte, Instagram und Co. würden mich zu meiner Lebensweise motivieren, stellte sich das genaue Gegenteil dar. Durch den Verzicht hatte ich mehr Zeit und Motivation und war dadurch produktiver denn je.

 

Langfristig in diesem Ausmaß auf soziale Medien und das mobile Internet zu verzichten, kann ich mir nicht vorstellen. Die Vorteile wie Google, Spotify, Navigation und Whatsapp stehen schlichtweg für sich. Jedoch werde ich sämtliche Push-Mitteilungen deaktivieren und versuchen, nur noch ganz gezielt für bestimmte Zeiträume auf Instagram und Facebook online zu sein.

 

 


Bildquelle: https:// konacompany.com/wp-content/uploads/2017/01/social-media-marketing-image.png



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