Wer bin ich? – Die Sache mit der Selbstfindung

Wer bin ich? – Die Sache mit der Selbstfindung

Wer bin ich eigentlich? Immer wieder lesen und hören wir von Blogger, Influencern und auch von Freunden diese Frage. Jeder hat das Gefühl, sich selbst zwischen all den Fotos und Beiträgenaus den Augen verloren zu haben. Keiner weiß mehr, was man will, wer man ist und wer man sein möchte. Aber was hat es mit der Selbstfindung auf sich und warum wird dieses Thema immer dringender und wichtiger?

 

Früher war alles besser…und einfacher…oder nicht?

 

Wenn man vergleicht, wie das Leben vor 70 Jahren ausgesehen hat und wie wir jetzt den Alltag meistern, dann fällt eines auf: Obwohl wir in kürzerer Zeit und unter Stress mehr erledigen, haben wir auch mehr Zeit für uns. Aber anders als früher nutzen wir die Zeit, die uns zur Verfügung steht, nicht mehr wirklich für uns. Denn wenn wir sagen: „Heute gönn’ ich mir einen gemütlichen Abend zu Hause.“, dann meinen wir nicht mehr gemütlich auf der Couch zu liegen oder zu lesen. Viel eher meinen wir im Bett fernzusehen, während wir am Laptop auf Netflix eine neue Serie suchen und sämtliche Online-Netzwerke checken.

Und hier fängt das Problem an: Wir kennen keine Langeweile mehr und werden zusätzlich ständig mit neuen Eindrücken konfrontiert. Diese Eindrücke beschäftigen sich oft mit Trugbildern und Darstellungen einzelner Personen, sei es nun auf Instagram oder Youtube. Auch normale Werbebilder zeigen uns Beispiele, wie wir sein sollten und unseren Alltag zu erledigen haben. Im Endeffekt befassen wir uns Tag ein, Tag aus mit der Frage, wer wir sein sollten. Und zwar so lange bis sich diese Bilder in unser Gehirn einnisten. Auch wenn wir meinen, immun gegen die Marketinggags und Influencer zu sein, im Unterbewusstsein krallen sich die Darstellungen fest.

Damals, vor 70 Jahren, da gab es das noch nicht. Klar, Werbung in Zeitungen gab es schon lange und die TV-Spots waren auch im Anmarsch. Aber diese ständige Belagerung unserer Gedanken, unseres Selbstwertgefühl, das gab es nicht. Mal ganz davon abgesehen, dass uns früher auch nicht so viele Möglichkeiten offen standen wie sie es heutzutage tun. Da gab es nur die Lehre oder ein Studium, je nach finanzieller Lage, Anfang zwanzig stand die Heirat an, Kinder kriegen, Haus bauen, dahin leben. Meine Großeltern hatten weder die Möglichkeiten, noch den Drang, sich selbst zu erfinden und ihre Individualität nach außen hin zu tragen. 

 

Selbstfindung – die Reise mit dem Ziel: ICH

Man möge meinen, sich in der heutigen Zeit selbst zu suchen und dieser Reise beinahe schon einen Lebensabschnitt zu widmen, seie egoistisch. Vielleicht ist es das auch. Diese Gratwanderung zwischen Egoismus und Dringlichkeit, sich vollkommen zu fühlen, erweckt bei einigen verschiedene Gefühle. Sich einfach mal für ein paar Wochen oder Monate aus dem bisherigen Leben zu entziehen, Neues zu entdecken und durch Situationen über sich selbst hinaus zu wachsen, hat durchaus seine Berechtigung. Viele jedoch glauben, mit ein paar Wochen Freiheit sei alles getan und man habe sich selbst gefunden.

Aber Selbstfindung bedeutet nicht (nur) durch Reisen an sich zu arbeiten und neue Facetten frei zu legen, sondern viel mehr der alltägliche Umgang mit sich selbst. Wenn man alles dabei belässt, wie es vorher war, dann fällt man schnell in alte Muster zurück. Als Folge dessen fragt man sich schon nach kurzer Zeit wieder: Wer zur Hölle bin ich denn jetzt? Es geht also darum, sich langfristig mit sich selbst auseinander zu setzen und den Einfluss der Medien zu bedenken. Will ich wirklich täglich Stunden auf Instagram und YouTube verbringen und mir das Scheinleben anderer Menschen ansehen? Was habe ich denn davon, mir zig Videos in die Warteschleife zu stellen? Außerdem liegt es auch an uns im Alltag etwas ganz einfach nur für uns zu machen. Die Reise der Selbstfindung können wir auch ganz einfach in unsere Heimatstadt verlegen, indem wir einfach mal allein in ein Café gehen, indem wir noch nie waren. Oder uns ein Buch schnappen, alleine spazieren und uns irgendwo an einem schönen Plätzchen niederlassen. So wie wir es halt eben auch im Urlaub alleine machen würden, ganz ohne Instagram und Snapchat.

 

Bewusster Sein – Das also bin Ich

Vielleicht gibt es auch gar keine eindeutige Antwort auf die Frage, wer wir sind, weil wir uns ständig weiter entwickeln und uns verändern. Wichtig ist nur, uns nicht aus den Augen zu verlieren und unter all den Eindrücken und Erwartungen nicht unterzugehen. Und ich glaube das ist es, was uns alle mit dem Thema Selbstfindung zeigen wollen: Abstand zu den Medien, kritisches Hinterfragen der Dinge, die wir online sehen und stattdessen mehr bewusste Zeit für uns selbst. Dann klappt es auch mit der Selbstfindung im Alltag, ohne große Zweifel oder all zu weiten Reisen.

 

Eure Ella-Marie



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